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Der World Happiness Index (WHI) wird seit dem Jahr 2000 von der französischen Initiative Globeco für 60 Länder berechnet, um daraus einen globalen Gesamt-Index des "globalen Lebensglücks" zu berechnen. Er kann methodologisch auch als Meta-Index betrachtet werden, der insgesamt 40 Indizes anerkannter internationaler Institutionen zu vier Dimensionen des Lebensglücks zusammenfasst.

 

Selbstverständnis und Motivation

Globeco, die französische Trägerorganisation des WHI, sieht ihren Index in der Tradition des HDI - Human Development Index. Der World Happiness Index würde aber weiter gehen in dem Ansinnen, die Fehler und Grenzen des BIP zu überwinden. Das BIP ist zwar ebenfalls Teil der Berechnung des WHI -- allerdings bloß eine von insgesamt 40 Messgrößen, die gleichwertig zum "Lebensglück" der Bevölkerung eines Landes beitragen sollen. Der WHI ermittelt aber primär kein Länderranking, sondern er repräsentiert den allgemeinen Zustand der Welt hinsichtlich des Lebensglücks ihrer BewohnerInnen.

 

Methodik

"Lebensglück" oder "happiness" wird im WHI auf vier Dimensionen heruntergebrochen, die durch jeweils 10 Indizes aus verlässlichen Quellen (UNDP, WB, WHO, SIPRI, Amnesty, HCR ...) umfassend erfasst werden sollen:

Die erhobenen Daten stammen aus relativ verlässlichen, offiziellen Quellen, werden regelmäßig aktualisiert und sind für eine relative große Zahl von Ländern verfügbar. Der WHI errechnet sich daraus als Durchschnittswert dieser 40 Indizes. Primär wird daraus ein Gesamt-Score des globalen Lebensglücks ermittelt, dessen Entwicklung bis zum Jahr 2000 (Basiswert 100) zurückverfolgt werden kann. Auf Basis von 20 Indizes lässt sich auch ein Vergleich von bislang 60 Ländern oder 90% der Weltbevölkerung hinsichtlich der vier Dimensionen anstellen -- das Länderranking liefert ähnliche Ergebnisse wie die verbreiteten Indizes BLI - Better Life Index, LPI - Legatum Prosperity Index, SPI - Social Progress Index.

 

Aussagekraft

Die Teilindizes und -indikatoren des WHI sind für sich genommen relevant, die Datenlage ist vergleichsweise gut. Die Aussagekraft des WHI leidet eher unter der schwachen, schwer nachvollziehbaren Operationalisierung des Konzepts des "Lebensglücks". Zum einen erscheint die jeweilige Zuordnung der Indikatoren zum einen oder anderen Bereich in einigen Fällen recht fragwürdig. Dieser Schwachpunkt relativiert sich zwar dadurch, dass der WHI letztlich den Durchschnitt aus allen Teilindizes und -indikatoren bildet. Allerdings stellt sich dann die Frage, was ein Durchschnittswert aus letztlich sehr heterogenen Merkmalen, die in ganz unterschiedlichen Einheiten vorliegen und deren Auswahl letztlich recht willkürlich erscheint, eigentlich aussagen soll. Sicherlich sagt der WHI damit etwas aus über den Zustand der Welt in einer Reihe hoch relevanter Bereiche gesellschaftlicher Entwicklung und individuellen Lebensglücks -- aber was das genau sein soll, darüber lässt sich nur spekulieren. Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass der WHI zwar seinem Anspruch nach "happiness" messen möchte, dass er aber keinen einzigen subjektiven Indikator enthält, der dieses Lebensglück unmittelbar abfragen könnte.

 

Praxis

Die Ergebnisse des WHI werden jedes Jahr in aktualisierter Form für das abgelaufene Jahr von der französischen Organisation Globeco veröffentlicht -- unmittelbar praktische Relevanz hat der WHI aber keine.

 

Plus/Minus

+

-

 

Quellen

[1] Factsheet "World Happiness ndex" >> ONLINE-DOKUMENT

[2] “L’indice du Bonheur mondial et le classement par pays” >> OFFIZIELLE WEBSITE 

Kategorie: BIP. Kritik & Alternativen
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